Marathon

10 Stunden Laufen – 3 Marathons in 15 Tagen

Und dabei läuft so etwas bloß unter „Vorbereitung“. Aber alles der Reihe nach.

Wie auch 2014 stand dieses Jahr die „Ketterechts-Challenge“ an – eine Kombination der beiden Marathons von Wien und Linz innerhalb von acht Tagen. Cristian Gemmato aka @_ketterechts hatte 2013 vorgelegt, Christian ( @geordi2504 ) und ich zogen 2014 nach und legten mal die Zeitmarke auf rund 7 Stunden 15 Minuten.

Diesmal gab’s im ersten Marathon in Wien für Christian und mich eine besondere Aufgabe: Pacemaker für Sebastian ( @die_bergziege ), der die 42,195 km unter 3h15 absolvieren wollte. Am 12. April standen wir also in Wien am Start – mit dabei auch Christoph ( @don_tango ), der spontan den dritten Pacemaker machte. Das Wetter war trocken, aber leider auch windig und recht warm – zusammen mit den vielen Überholmanövern, die uns bevorstanden, nicht die besten Voraussetzungen. Soweit es ging, räumte Christoph den Weg frei (was er bravourös meisterte), Christian und ich kümmerten uns um die Verpflegung; so kamen wir ganz gut über die ersten 15 Kilometer. Die leicht abfallende Mariahilfer Straße brachte aber nicht wirklich Erleichterung, und obwohl wir mit 1:38:30 bei Halbzeit absolut dabei waren, sah es nicht aus, als könnte Sebastian zulegen.

Der Wind wurde nerviger, die Temperaturen noch höher, und die Langeweile entlang der Strecke im Prater tat das Übrige dazu (mit Ausnahme von Schurli, der uns zweimal sensationell anfeuerte und zig Meter mitsprintete) – wir ließen mehr und mehr Zeit liegen. Nachdem Sebastian auch von Krämpfen in den Beinen geplagt wurde, versuchten wir nur mehr, das Rennen passabel ins Ziel zu bringen – und mit 3:22:57 gelang uns das auch.

Kaum am Heldenplatz mussten wir (zufällig) ein ORF-Interview geben – am Abend konnten wir uns das in den Regionalnachrichten im TV ansehen; großartig! Und darin kündigten Christian und ich schon unsere nächste Attacke an – Linzmarathon!

Somit standen wir 8 Tage später kurz vor halb zehn Uhr an der Startlinie auf der Autobahnbrücke in meiner Heimatstadt, und los ging’s über eine weitere Marathondistanz. Wir schworen uns, das ganz relaxt anzugehen, so mit knapp unter 5:00 min/km; aber die Bedingungen waren genial (sonnig, aber angenehm kühl), sodass es gleich mal flotter wurde – und wir fühlten uns großartig. Die Kilometer flogen nur so vorbei, bald schon ging’s über die Nibelungenbrücke wieder zurück nach Linz und Richtung Süden in die Innenstadt.

Christian und ich hatten richtig Spaß, witzelten über die Klosterschwesterngruppe am Straßenrand („Die Fans vom Pingu sind auch da!“), freuten uns über das rege Treiben am Pfarrplatz (Zielverpflegung) und liefen zum ersten Mal über die gut besuchte Landstraße – Durchgangszeit beim Halbmarathon: großartige 1:40:50. Das Wetter war klasse, die Luft war kühl, es war einfach grandios zu laufen. Der langweilige Abstecher über die Unionstraße war schnell vorbei, wir überholten Batman und plauderten kurz mit ihm, und selbst im einsamen Wasserwald waren die Zuschauer gut aufgelegt – diesmal kein Einbruch für mich bei 30 km. Die großartige Stimmung beim Sportplatz Kleinmünchen trieb uns weiter zurück Richtung Zentrum, und mit dem Glück von etwas Rückwind waren wir dort recht rasch wieder. Ein paar bekannte Marathonkollegen konnten wir überholen, die Stimmung beim Pfarrplatz trieb uns weiter an, und der lange Zielsprint in der Landstraße war dann nur mehr Formsache: herrliche 3:21:04 in einem äußerst relaxt gelaufenen Marathon, bei dem ich sogar Zeit hatte, ein wenig mit der GoPro zu filmen – Linzmarathon 2015 zusammengeschnitten von Moritz.

Somit war meine zweite „Ketterechts-Challenge“ in 6:44:01 absolviert – über eine halbe Stunde schneller als im Vorjahr. Lassen wir das jetzt mal so stehen. Anmerkung: Auch von Christian gibt es einen Bericht zur Ketterechts-Challenge 2015.

Nach Linz sollte es nun aber wirklich ruhiger werden – mein Geburtstagsgeschenk zum 50er stand an: London Marathon!! Viel Positives hatte ich schon gehört darüber, und das Teilnehmerfeld sowohl bei den Amateuren als auch der Weltelite versprach einiges im Vorfeld – aber was dort abging, konnte ich nicht ahnen.

Einquartiert in einem äußerst noblen Hotel gleich in der Nähe des Buckingham Palasts waren die Gehwege kurz – bloß die Marathonmesse und Registrierung war weit draußen in den Docklands; also gleich mal am Freitag dorthin pilgern. Massen von Menschen, langes Anstehen an den Schaltern für „overseas runners“, alles recht riesig – mmmh, das setzte mich nicht in Begeisterung. Die Abholung der Startnummer und des Zeitchips lief aber dann perfekt ab, und die Verkaufsmesse war auch äußerst interessant und groß dimensioniert. Allmählich hatte ich mich an die Massen von Menschen in dieser Großstadt wieder gewöhnt.

Samstag war fürs Relaxen vorgesehen – ein kurzer Lauf in der Früh zum Zielgelände, wo bereits aufgebaut wurde. Nachmittags ging’s dann mit Freunden und Familie an die Themse, und aus dem „relaxten“ Tag wurden unzählige Kilometer Gehen. Nun ja – so ist es eben in einer großen Stadt. Aber das Wetter hatte sich stark gebessert, und die sonnigen Momente an London Eye und House of Parliament wollten wir dann doch nicht missen.

Am Renntag hieß es dann „früh auf!“ – Abfahrt bereits um 7 Uhr, obwohl Start erst um 10:10 Uhr war; „wegen Verkehrsstau“, sagte man. So befand ich mich also schon um 8 Uhr beim Startgelände in Greenwich (blaue Zone) – es regnete leicht, der Wind blies aus Westen, es hatte um die 10° C. Es sah aus wie auf einem riesigen Festivalgelände – jede Menge Zelte und große Pinkel-Bereiche, aber zumindest gratis Tee, Wasser und Lucozade. Meine Überbekleidung gab ich früh ab, da die LKWs bereits eine halbe Stunde vor Start fahren sollten, und stand dann nur in einen Plastikumhang gehüllt im kalten Wind herum. Selten hatte ich vor einem Start so gefroren – es gab zwar keinen Regen mehr, aber nirgendwo war’s wirklich windstill, sodass ich keine Lust zum Fotografieren oder Twittern hatte. Über LED-Wall sahen wir den Start der Elite, ich bezog meine Startzone (peinlichst genau kontrolliert durch Einweiser – großes Plus!), aber auch zwischen den anderen Läufern war es nicht wärmer. Dann endlich der Start; wir setzten uns rasch in Bewegung, und es ging über die Startmatten – wildes Geschrei rund um mich: „Keep going!!“ „Go on!!“ „Run, run, run!“

So etwas hatte ich nicht erwartet – wir sind doch nur bessere Hobbyläufer! Aber egal – die Zuschauer standen in Zweier- bis Dreierreihen an der Strecke, jubelten, klatschten, schrien und feuerten uns per Namen an (Tipp: Vornamen aufs Laufshirt drucken lassen). Unser Tempobereich lief mit etwa 5:15 min/km los – etwas langsamer als erwartet, aber alle etwa dasselbe Tempo; perfekt und ein Ergebnis der genau eingehaltenen Startzoneneinteilung. Da können sich viele andere Marathons eine Scheibe abschneiden.

Es ging durch Vororte Richtung Osten, die rote und grüne Startzone kam zu uns dazu, und gemeinsam bewegten wir uns hinunter Richtung Hafen Greenwich. Das Laufen war perfekt, die Temperaturen und Bedingungen genial, und die Stimmung rund um das Segelschiff Cutty Sark grandios. Weiter ging’s durch kleinere Vororte mit Musik aus Pubs und Live-Bands Richtung Tower Bridge – das nächste große Highlight des London Marathons. Zwar blies der Wind gehörig die Themse herunter, aber die Stimmung auf der Brücke war sensationell, und es war erhebend, über dieses monumentale Bauwerk zu laufen.

Am anderen Themseufer ließen wir den Tower links liegen und bogen ab Richtung Canary Wharf und Docklands. Im etwas längeren Gegenverkehrsbereich bei der HM-Marke kam die Spitzengruppe der Männer entgegen – wunderbar! Selbst das Laufen zwischen den Wolkenkratzern war dann kurzweilig – überall Massen an Zuschauern, die jubelten und einen vorantrieben.

Halbmarathon in 1:43:34 – wie bitte? Sollte ich nicht einbrechen, müsste sich eine Zeit unter 3 Stunden 30 Minuten ausgehen. Ich war selbst verblüfft. Aber es lief großartig, das Publikum spornte an, und die Beine waren locker. Im Vergleich zum Vorjahr war keine Müdigkeit oder Verspannung in den Oberschenkeln zu spüren, und so lief ich dahin und genoss die Atmosphäre. Nach einer längeren Unterführung tauchten wir am Ufer der Themse wieder auf, und da sah man in der Ferne auch schon das London Eye und Big Ben; also nicht mehr weit bis zum Ziel. Ich ließ mich von den Zuschauern antreiben, filmte immer wieder kurze Sequenzen mit der GoPro und beschleunigte dabei das Tempo – und lief die vorletzte Meile in knapp über 7 Minuten.

Das House of Parliament war schnell da, ich bog rechts um die Ecke, und es ging Richtung St. James‘ Park und zum Buckingham Palace. Überall Unmengen von Zuschauern, die jubelten – so muss Marathon sein! Kein Wunder, dass in Wien und Linz keine Top-Bestzeiten gelaufen werden – es fehlt einfach an der Stimmung an der Strecke (vor allem in den kritischen Bereichen ab km 30).

Das „600 meters to go“ Schild passierend zog ich das Tempo nochmal an und lief am Palast vorbei über The Mall mit 3:20:22 ins Ziel. Herrlichst! Das Wetter hatte gehalten, kein Regen während des Rennens – perfekte Bedingungen und ein grandioser negativer Split in meinem 10. Marathon.

Somit kann ich jedem nur empfehlen, mal den London Marathon zu absolvieren – vorbildliche Organisation, bei jeder Meile Wasser in 0,25l Flaschen, eine geniale Stimmung und großartiges Sightseeing; und natürlich eine schnelle Strecke mit Top-Athleten. Trotz über 38.000 Startern lief alles reibungslos ab und machte speziell für mich das Rennen zu einem Genuss.

Aufsummiert ergab es also dann 10:04:23 an Marathonlaufen innerhalb von 15 Tagen – ohne gröbere Schmerzen, ohne Verletzungen, ohne Überlastung. Man kann es nur als „perfekt“ bezeichnen – so muss es sein.

Aber: Ja alles nur Vorbereitung. Bleiben Sie dran.

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Ein Experiment in Langlaufen

Es begann eigentlich mit einer ganz normalen Trainingsplanung, im Herbst 2013. Irgendwoher kam die Idee, 2014 den Rennsteig zu laufen, den Supermarathon, über fast 73 Kilometer im deutschen Thüringen. Für solch einen langen Lauf gehört es sich natürlich, ordentlich zu trainieren – also nichts wie losgelegt und einen Ultramarathon-Laufplan gesucht. Schnell war einer gefunden und an das Zieldatum 17.05.2014 angepasst.

Das Schöne am Ultralaufen ist ja, dass man im Training Marathons laufen darf, sagt man – und prompt waren die passenden gefunden. Linz, die Heimatstadt, bot sich an – ebenso die Bundeshauptstadt Wien mit ihrem Sightseeing-Marathon.

Und dann plötzlich die Erinnerung, da gab’s doch im Frühjahr 2013 jemanden, der auch diese beiden Marathons gelaufen ist – genau, Cristian Gemmato aka @_ketterechts – zwei Marathons innerhalb von acht Tagen. Im Rahmen der “Ketterechts-Challenge” hatte Cristian Wien in 3:41:20 und Linz in 3:50:10 absolviert – addiert also in 7:31:30.

Mit Christian Engelhardt aka @geordi2504 meldete sich rasch ein Twitter-Laufkollege zu Wort, der ebenfalls daran dachte, den Rennsteig-Supermarathon in Angriff zu nehmen. Somit wurde der Plan fixiert – im April 2014 Linz und dann Wien als Trainingsmarathons in einer umgekehrten “Ketterechts-Challenge” zu laufen.

Dazu kam noch: Christian ist ja mit Sebastian Haböck aka @SHaboeck und Peter Heinzl aka @peterslaufblog recht umtriebig in Wien auf Longjogs unterwegs, und bei einem dieser Läufe heckten die drei die wahnwitzige Idee aus, doch mal ganz einfach von Wien nach Bratislava (62 km) zu laufen! Nach längerem Hin und Her fand sich als einzig möglicher Termin dafür der Samstag nach dem Wien-Marathon – und hier beginnt das Experiment: Zwei Marathons und ein Ultralauf innerhalb von 14 Tagen.

Bereits relativ bald im Jahr stellte sich heraus, dass der Rennsteig terminlich gar nicht so richtig ins Privatleben passte. Vom Kopf her war er also recht rasch abgehakt (aber: aufgeschoben ist nicht aufgehoben), doch die Anmeldungen für Linz und Wien waren durchgeführt, die Startgebühren waren bezahlt – bei diesen beiden Läufen gab es also kein Zurück. Und von Wien nach Bratislava – ja, warum nicht?

Los ging’s also am 06.04.2014 mit einem Trainingslauf über 42,195 km in geplanten 3:29:59 durch die oberösterreichische Stahlstadt. Gleich von Anbeginn lief es bei Christian und mir perfekt – die Rahmenbedingungen waren hervorragend, wir waren bestens vorbereitet, die Kilometer flogen nur so vorbei. Waren wir schon bei 1:42:xx zur Halbzeit durch, hatte ich doch bei etwa km 30 einen kleinen Hänger, aber dann führte die Strecke wieder ins Zentrum zurück, und das Laufen fiel wieder leichter. Beflügelt von einem perfekten Rennverlauf beschleunigte ich gegen Ende noch, und so liefen wir zeitgleich mit 3:22:39 ins Ziel – wunderbar relaxt und rundum zufrieden.

Eine Woche später – am 13.04.2014 – war dann die Vorgabe: Nicht mehr so unvernünftig gegen Ende Gas geben, sondern einen Arbeitskollegen von Christian zu einer Marathonzeit von knapp unter 4 Stunden ziehen. Die Laufgruppe war groß, neben Sebastian und Peter waren einige von Christians Arbeitskollegen dabei, und trotz Gruppendynamik liefen wir absolut kontrolliert los.

Hatte ich bislang nach Marathons immer ein bis zwei Wochen komplett Pause gemacht, ging es diesmal mit ein paar lockeren Jogs eingestreut quasi eine Woche später wieder volles Programm weiter – und meine Oberschenkeln gaben mir das bereits nach wenigen Kilometern zu erkennen! Bis km 25 war das jedoch überhaupt kein Problem, es ging alles sehr einfach und leicht in einer 5:35er-Pace dahin. Kurz nach der Halbzeit merkte ich aber, dass ich etwas ändern musste; ich ließ mich von unserer Spitzengruppe zurückfallen, um Christian und Begleiter aufschließen zu lassen – primär, um mein eigenes Rennen etwas abwechslungsreicher zu gestalten.

Leider hatte dies nicht den gewünschten Effekt: Kurz sah ich die beiden mal (bei der Wende bei km 30), aber dann begann es zu regnen, und die Einöde der schier endlosen Praterhauptallee-Gerade machte das Laufen sehr mühsam. Und vor allem das Tempo – dieses langsame Tempo! Die Oberschenkel wurden im Regen kalt, die Laufbewegungen waren nicht mehr rund; bei km 36 hatte ich dann genug: Tempo! Ich beschleunigte auf 4:40 min/km, holte kurz vor km 40 die Führenden unseres Teams ein und zog dann weiter mit gleichbleibendem Tempo bis ins Ziel durch: 3:52:38 stand schlussendlich als Nettozeit fest.

Die “Ketterechts-Challenge” war somit mit gesamt 7:15:17 erfolgreich abgeschlossen worden. Dennoch gab’s kein Ausruhen: Sechs Tage später standen wir wieder an der “privaten” Startlinie, um von Wien nach Bratislava zu laufen. Witzigerweise begannen die Oberschenkelschmerzen etwas später – erst beim km 15 – , aber dafür meldeten sich nach 35 Kilometern dann auch die Unterschenkel und die Knöchel. Aber was soll’s? Weitergelaufen wird.

Die Strecke war vor allem mental fordernd – die längste Gerade meines Lebens (15 km!!) und die unglaublich abwechslungsreiche Landschaft (links Auwald, rechts Auwald) machten diesen Ultralauf nicht gerade einfach. Christian und ich spürten die beiden Marathons gegen Ende dann schon gehörig, wir liefen etwas wortkarg nebeneinander her, aber Bratislava begrüßte uns mit reichlich Sonnenschein und Finisher-Bier – nach 6:19:xx hatten wir unser Ziel erreicht; und das überglücklich!

Die Tage danach waren dann verblüffend: Zwar bemerkte ich schon einen leichten Muskelkater in den Beinen, aber bereits zwei Tage nach dem Ultralauf absolvierte ich einen schnellen 8km-Lauf (Eferdinger Osterlauf), und zwei Wochen danach pulverisierte ich meine bisherige Halbmarathon-Bestzeit und unterbot sie um ganze vier Minuten beim Hallstätter Seerundlauf.

Fazit des Experiments: Es hatte funktioniert! Ab einem gewissen Trainingsstadium ist es scheinbar möglich, mit relativ wenig Regenerationszeit durchaus konkurrenzfähige Wettkämpfe zu bestreiten, selbst wenn man nicht mehr der “Jüngste” ist. Zur Regel möchte ich es dennoch nicht machen, so viele lange Läufe im hohen Tempo knapp hintereinander zu absolvieren, aber den Versuch war die ganze Sache durchaus wert.

Und Spaß hat es gemacht – vor allem mit so guten Freunden und Begleitern.